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Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland? - Die Sicht der Allianz Privaten KrankenversicherungDonnerstag, 24. November 2005 Die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt spricht von einer
Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland. Ärzte sollen daher in Zukunft Kassen- und
Privatpatienten gleich abrechnen. Ulrich Rumm, Vorstandsvorsitzender der Allianz
Privaten Krankenversicherung erklärt im Gespräch mit Allianz.com, warum das
gravierende Folgen haben würde. Allianz.com News: Haben wir in Deutschland eine Zwei-Klassen-Medizin? Ulrich Rumm: Von einer Zwei-Klassen-Medizin zu sprechen halte ich für eine politische Kampagne, mit dem einzigen Ziel, anders als im Koalitionsvertrag festgelegt, die von der SPD favorisierte Bürgerversicherung quasi durch die Hintertüre einzuführen. Das ist politisch fragwürdig. Anstatt die Probleme der gesetzlichen Kassen zu lösen, wird im Augenblick einmal mehr wieder nur ein Buhmann gesucht, dem die finanzielle Misere in die Schuhe geschoben werden kann. ? Aber warum können Ärzte für dieselbe Behandlung von Kassen- und Privatpatienten unterschiedlich hohe Honorare abrechnen? Ulrich Rumm: Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) nach der Privatpatienten abgerechnet werden, sieht für ärztliche Leistungen Gebührenspannen vor, um besondere Schwierigkeiten oder einen höheren Zeitaufwand bei der Behandlung zu berücksichtigen. Das ist durchaus sinnvoll. Allerdings beobachten wir seit Jahren, dass überdurchschnittlich oft mit dem maximalen Steigerungssatz abgerechnet wird. Nur am Rande bemerkt: Die GOÄ stammt aus dem Jahr 1965 und muss dringend überarbeitet werden, das fordern wir schon seit langem. ? Wird dadurch Ärzten nicht ein Anreiz gegeben, Privatpatienten zu bevorzugen? Ulrich Rumm: Das möchte ich nicht ausschließen, ist aber sicherlich nicht die Regel. Man darf allerdings eines nicht vergessen: Jährlich fließen über die Honorare von Privatpatienten dem Gesundheitswesen 8,5 Milliarden Euro zusätzlich zu. Damit subventioniert jeder Privatpatient das System. Auch das nenne ich Solidarität. ? Ulla Schmidt sieht das anders. Für sie haben sich gerade die besser verdienenden Privatpatienten aus der Solidargemeinschaft verabschiedet. Ulrich Rumm: Das ist kurzsichtig und falsch. Wenn ein junger Mann sich heute privat versichert, dann ist er zunächst ein Beitragszahler weniger für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Wenn er aber später Familie hat, dann entlastet er die GKV gleich mehrfach´, und das über viele Jahre hinweg. ? Klingt es nicht gerecht, wenn Ulla Schmidt sagt, gesetzliche Kassen und private Krankenversicherer sollen mit denselben Bedingungen arbeiten? Ulrich Rumm: Das ist ein Trugschluss. Ich formuliere es mal so: Wir haben in Deutschland ein gesundes System und ein krankes System. Ein Patient wird aber nicht allein dadurch gesund, dass ein anderer sich aus Solidarität ebenfalls ins Krankenbett legt. Auf lange Sicht wird dadurch die Versorgung für alle schlechter und das kann nicht die Lösung sein. Was ist mit der Generationengerechtigkeit? In der GKV finanzieren immer weniger junge Leute, immer mehr ältere Menschen. Damit belasten wir die Zukunft der heranwachsenden Generation. Das nenne ich nicht nur ungerecht, sondern verantwortungslos. ? Was schlagen Sie vor? Ulrich Rumm: Was das Gesundheitssystem in Deutschland dringend braucht, ist eine Stärkung der Kapitaldeckung nach dem Vorbild der Privaten Krankenversicherung. Dafür setzen wir uns schon seit Jahren ein. An dieser Stelle möchte ich ganz klar sagen: Es geht hier nicht um Lobbyarbeit, sondern schlichtweg um die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Quelle: www.versicherungs-nachrichten.de |
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