Schwimm-Weltrekordlerin Franziska van Almsick kämpft
um die Rückkehr ins normale Leben. Nach den Olympischen Spielen in Athen und
ihrem Rücktritt vom Leistungssport bleibt der Berlinerin mehr Zeit, als ihr
lieb ist. "Dass jetzt alles anders ist, damit komme ich noch nicht zurecht.
Wenn ich um 16 Uhr in einem Cafe sitze, ist das wie in einem schlechten
Film", gestand die 26-Jährige bei "Stern TV" in ihrem ersten
Fernsehinterview nach Olympia.
Früher trainierte van Almsick fast täglich um 7.00 Uhr und um 16.00 Uhr. Das
war ihr Leben, ihr Rhythmus, der sie über ein Jahrzehnt lang bestimmte und der
sie sogar in die Magersucht trieb, weil sie die Nahrungsaufnahme damals als
einzigen Bestandteil ihres Lebens begriff, den sie noch unabhängig
kontrollieren konnte.
Über ihr Leben als Teenie-Schwimmstar gewährt van Almsick inzwischen der
breiten Öffentlichkeit Einblick. Am Donnerstag stellte die Fünffach-Europameisterin
aus dem Jahr 2002 in ihrer Heimatstadt ihre Biografie mit dem Titel
"Aufgetaucht" vor. Ein mehrdeutiger Titel, der nicht nur das Ende
ihrer Laufbahn beschreibt, sondern auch den Mut zum Schritt an die Öffentlichkeit.
"Bisher haben immer andere über mich geschrieben. Jetzt wollte ich aus
meiner Perpektive schreiben", sagt sie.
Van Almsick spricht ausgiebig über ihre Essstörungen in den 90er Jahren, die
sie dank ihres Sports und ihrer Managerin Regina Eichhorn überwand. "Sie
hat mich rausgezogen", sagt die Olympiadritte mit der Staffel. Sie spricht
auch über ihre Beziehung zu den Medien oder zu Handballer Stefan Kretzschmar
("Er ist warmherzig und sensibel") und ihre Familienplanung. "Ich
kann mich in fünf oder zehn Jahren mit meinen Kindern und der Familie
einmauern. Aber bis dahin habe ich noch viel vor." Eine Schwimm-Akademie
will sie gründen und im Modedesign tätig werden.
Eine Rückkehr in den Leistungssport schließt "FvA" aus, auch wenn
sie ihren Goldtraum bei den Olympischen Spielen in Athen nicht verwirklichte.
Sie war im Glauben nach Athen gereist, genug für Gold getan zu haben. Als es
jedoch darauf ankam, fühlte sie sich "nur müde und kaputt".
"Ich kam mir im Wasser vor wie ein Anfänger. Es ist eine erschreckende
Erkenntnis, wenn du nach 30 Metern merkst, dass nichts geht."
Bereut jedenfalls hat sie die jahrelange Schinderei für Athen nicht, sagt sie.
Trotz des verpassten Titels über 200 m Freistil, der ihrer Laufbahn die Krone
aufsetzen sollte, war sie sich schon "eine Minute nach Athen" sicher,
dass "es sich gelohnt hat".