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| ftd.de, Do, 30.9.2004, 16:00
Investmentfonds: Konservative Strategien liegen im
Trend
Absolute- und Total-Return-Produkte verkaufen sich in schwachen Börsenzeiten gut. Verluste vermeiden ist das oberste Ziel der Fondsmanager.Wer wissen will, wie Günter Netzer sein Geld anlegt, könnte überrascht sein: Der Mann fährt per Gabelstapler durchs Anlageuniversum und setzt seinem Arbeitgeber immer neue Stücke aufs Transportband. Viel mehr tut Günter Netzer nicht - die genaue Wahl überlässt er lieber den Spezialisten der Dresdner-Allianz-Fondstochter Dit (Deutscher Investment-Trust). Die durchleuchten jeden Titel natürlich erst mal ganz genau, bevor sie ihn ins "Top Selection"-Portfolio aufnehmen. Der große Aufwand, so erklärt die Werbung, ist nötig, um auch in schwierigen Zeiten Erfolg zu haben.
Die Botschaft kommt bei Anlegern an: Die beiden
Absolute-Return-Fonds, für die Günter Netzer wirbt, haben seit Verkaufsstart
im Juni 2003 fast 1,7 Mrd. Euro eingesammelt. Die Absicht des Managements, eine
"absolute Rendite" zu erzielen und auch in schwierigen Börsenzeiten
Verluste zu vermeiden, hat den Dit zum Marktführer der jungen Anlageklasse
gemacht.
Gemeinsam mit den immer wieder im selben Atemzug genannten
Total-Return-Fonds gehören Absolute-Return-Fonds zu den Rennern der vergangenen
Jahre. Allein 2003 schoss ihr verwaltetes Vermögen nach Angaben des
Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) von unter 2 Mrd. Euro auf
über 7,5 Mrd. Euro. Und das mit einer Anlagestrategie, die im Jahr 2001 bei
Privatanlegern noch völlig unbekannt war: Absolute-Return-Fonds können ihr
Geld in alle Anlageklassen investieren, neben Aktien und Renten also zum
Beispiel auch Optionen, Rohstoffe oder Devisen handeln.
"Wir haben derzeit ein kleines Sommerloch", sagte
ein Dit-Sprecher mit Blick auf die derzeit sinkende Nachfrage nach den
Dit-Flagschiffen Absolute Return Allocation und Absolute Return Allocation Plus.
"Ich gehe aber davon aus, dass die Anleger nur eine Verschnaufpause
einlegen." Auch die magere Performance der beiden Fonds, die in den
vergangenen zwölf Monaten keine nennenswerte Rendite erzielten, dürfte dazu
beigetragen haben: "Bei der tendenzlosen Marktentwicklung war über das
Assetklassen-Mix nicht viel zu gewinnen", räumt man beim Dit ein. In den
kommenden Monaten wolle man mehr wagen - und mit höherem Kursplus auch wieder
mehr Anleger gewinnen.
Der European Opportunities Fund von Griffin Capital
Management schnitt dagegen wesentlich erfolgreicher ab: Der Fonds, der am 13.
September mit einem Volumen von 200 Mio. Euro geschlossen wurde, legte im
vergangenen Jahr um mehr als zwölf Prozent zu. Griffin zeigt, wie breit die
Spanne der Anlagestrategien sein kann, die sich hinter Absolute Return verbirgt.
Manager Harald Wengust setzt mit starkem Aktienschwerpunkt und Geschäften am
Derivatemarkt auf "kontinuierliche Outperformance". Renditeziel: 7 bis
15 Prozent pro Jahr.
Auch der Dachfonds Sauren Global Defensiv, aufgelegt im
Februar 2003, sieht sich in der Absolute-Return-Kategorie, setzt also auf möglichst
geringe Verluste und investiert in eine breite Palette verschiedener
Anlageklassen. Bei Sauren übersetzt man den Begriff "defensiv" mit
einem Renditeziel von drei bis neun Prozent - "wobei wir in diesem
schwierigen Jahr sicherlich eher am unteren Ende landen werden", sagt
Hermann-Josef Hall, Vorstand der Sauren Fonds-Research.
Noch bescheidener gibt man sich in der Regel bei Fonds mit
Total-Return-Ansatz, hinter dem sich stark rentenorientierte Fonds verbergen.
Marktführer Dit hat mit seinem Euro Bond Total Return in den vergangenen
zweieinhalb Jahren fast 3,8 Mrd. Euro eingesammelt. "Allein in diesem Jahr
sind in eine neue Tranche des Fonds weitere 600 Mio. Euro geflossen", sagt
der Dit-Sprecher.
Ein anderer typischer Vertreter dieser Klasse, der 450 Mio.
Euro schwere Adig Total Return Protect, wächst ebenfalls. Alle drei Jahre, so
verspricht die Commerzbank-Tochter Cominvest, wird das Produkt auf 90 Prozent
des bisherigen Höchststands taxiert - und soll dabei mindestens wieder den
Ursprungswert erreichen. Maximal 40 Prozent des Anlegerkapitals darf der
Protect-Fonds in Aktien investieren, geplant sind Renditen über dem
Rentenmarkt.
Für risikofreudigere Anleger hat Cominvest die Variante "Dynamic" mit weniger Sicherheit und mehr Aktien im Programm. Seit dem Verkaufsstart im Juni kamen aber erst 16 Mio. Euro in die Kasse. Nun plant man, die Adig-Total-Return-Palette mit einem noch konservativeren Bruder auszustatten: "Wir denken zurzeit über ein drittes Produkt am risikoarmen Ende nach", sagt Portfoliomanager Arnd Sieben von Cominvest. "Kapitalschutz entspricht zurzeit eben voll der Anlegerneigung." |
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