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www.iw-magazin.de vom 18.02.2005
Studie zum Desinvestment von Unternehmensimmobilien
Deutschlands Unternehmen besitzen mehr Immobilien als ihre internationalen Wettbewerber. Obwohl sie ihren Anteil seit dem Jahr 2000 bereits um 15 Prozent reduziert haben, binden sie damit immer noch zu viel Kapital, das sie effektiver in ihr jeweiliges Kerngeschäft investieren können. Die Gründe für die auffällige Zurückhaltung deutscher Unternehmen beim Verkauf ihrer Immobilien untersucht eine jetzt veröffentlichte Studie des Forschungscenter Betriebliche Immobilienwirtschaft (FBI) in Darmstadt. „Desinvestment von Unternehmensimmobilien unter besonderer Berücksichtigung der Vermarktungsmöglichkeiten“ heißt der Titel der von PropertyPartners Immobiliennetzwerk Deutschland unterstützten Untersuchung.

Immobilien verursachen in Deutschland mit bis zu 15 Prozent die zweit-höchsten Kosten eines Unternehmens nach dem Personal. Das ist meist viel mehr als sie einbringen. Zudem binden sie etwa 10 Prozent des bilanziellen Kapitals. Eine wertorientierte Unternehmensführung jedoch verlangt, Kapital für das Geschäft freizusetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Während bei den deutschen Unternehmen im Durchschnitt die Eigentumsquote bei 60 Prozent liegt, beträgt sie in Großbritannien etwa 40 Prozent und in den USA gar nur 30 Prozent. Allerdings will die Mehrzahl der Befragten in den nächsten Jahren die betrieblichen Immobilienbestände verkleinern, nämlich um rund 30 Prozent. Bisher haben sie aber erst die Hälfte der beabsichtigten Vermarktung realisieren können. Laut der Studie ist für die kommenden zehn Jahre mit mindestens 50 Milliarden Euro Desinvestmentpotenzial an deutschen Unternehmensimmobilien zu rechnen. Diese Entwicklung wird einen enormen Preisdruck ausüben.

Die Grundgesamtheit der Untersuchung bildeten Unternehmen, die schon Erfahrung mit der Vermarktung von unternehmenseigenen Immobilien gesammelt haben oder eine Veräußerung anstreben. Enthalten waren alle DAX-Unternehmen. Befragt wurden insgesamt 148 deutschen Großunternehmen mit mindestens 8.000 Mitarbeitern, die eine Desinvestition überhaupt durchführen können. Mehr als die Hälfte von ihnen orientiert sich dabei nicht an einem spezifischen Renditeziel.

Falsche Vorstellung von Vermarktung
 
Noch immer sind sich viele Unternehmen der Bedeutung ihrer Immobilien nicht bewusst. Häufig steht allein die Eventualität einer Wertsteigerung der Immobilien einem Verkauf im Wege. Obwohl das Abstoßen von unrentablen Investitionsgütern in vielen Geschäftsbereichen ein völlig normaler Vorgang ist, wird er bei Immobilien häufig außer Acht gelassen. Denn oft wird von falschen Verkehrswerten für das Eigentum ausgegangen. Überwiegend sind die ermittelten Werte veraltet.

Als Hauptursache für die schleppend ablaufende Desinvestition sehen die befragten Unternehmen die mangelnden Vermarktungschancen. Dabei lassen die Unternehmen meist selbst eine klar definierte Desinvestitionsstrategie missen. Mit ihren Immobilienveräußerungen wollen sie in erster Linie Eigenkapital freisetzen und Kosten reduzieren. Ihre Immobilien verkaufen sie insbesondere aus Gründen des Shareholder-Value-Denkens größtenteils zu schnell und ohne Rücksicht auf Preisabschläge. Gleichzeitig wollen die Inhaber möglichst den Buchwert erzielen und weitestgehend die Verfügungsrechte behalten. Ohne unternehmenspolitische Vorgaben droht ein folgenschwerer Zielkonflikt, an dem geplante Vermarktungen scheitern können.

Ferner kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Vermarktung meist zu stark auf Einzelobjekte konzentriert ist und sich die Aktivitäten auf zu wenige Immobilieninvestoren fokussieren, obwohl alternative Vermarktungen zahlreiche Vorteile bieten. Etwa ein Drittel der Befragten schätzen Transaktionen auf der Basis von Kapitalanteilen an einer Gesellschaft oder an offene und geschlossene Fonds als für sie nicht realisierbar ein. Deutlich über die Hälfte lehnt die Verbriefung ab.

Unternehmen müssen umdenken

 Methodische Probleme bei der Bewertung der betriebswirtschaftlichen Kosten und Nutzen können dazu verleiten, Immobilienentscheidungen zum eigenen Nutzen zu treffen. Steuerungsmechanismen, wie Marktpreissysteme, verlieren so an Wirkung. Hier muss vor allem die Unternehmensführung Strukturen schaffen, das personelle Missmanagement zu verhindern.

Die Studie gibt also nicht nur Aufschluss darüber, welche Mängel derzeit bestehen, sondern macht gleichzeitig auch deutlich, wo sich Möglichkeiten für eine ertragreiche Veräußerung von betrieblichen Immobilien bieten. Es besteht vor allem ein erhöhter Optimierungsbedarf im Vermarktungsprozess. Die meisten Befragten erkennen die Klärung der strategischen Nebenbedingungen als wichtig an, um einen Konflikt konkurrierender Vermarktungsziele aufzudecken. Die notwendigen Schritte, wie die Entscheidung über eine Freisetzung von Kapital oder die Objektpotenzialanalyse, müssen dafür aber wesentlich stärker gewürdigt werden. Erfahren finanzwirtschaftliche Bewertungen und eine geeignete Abgrenzung von Vermarktungseinheiten mehr Aufmerksamkeit, lassen sich weitere Handlungsspielräume eröffnen. Dies geschieht selten, da die Unternehmen Desinvestitionen lieber intern steuern, statt auf kompetente externe Partner zu setzen.

 

 

 

 

 

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