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Lebensversicherungen - Im Labyrinth der Kapitalfresser (EurAmS)

03.10.2004 11:17:00 aus www.finanzen.net 

Wer mit einer Lebensversicherung fürs Alter vorsorgen will, sollte wissen, wie sie funktioniert. Denn der Steuervorteil, den es noch gibt, wenn vor Silvester 2004 die erste Prämie gezahlt wird, macht nicht alle Nachteile wett. Auch die Kosten einer Police sollte man kennen - und wissen, bei welchen Gesellschaften sie niedrig sind.

von Ludwig Riepl, Euro am Sonntag

Nervenkitzel wie beim Computerspiel-Klassiker Pac Man wollen Lebensversicherungs-Kunden am liebsten vermeiden. "Unsere Aufgabe ist es, die professionelle Langeweile zu organisieren", beschreibt Allianz-Leben-Chef Gerhard Rupprecht den Business-Plan der Branche. Wer mit Policen vorsorgt, will eigentlich nur Prämien zahlen und am Ende einen möglichst großen Batzen Geld einstecken. Portfolio-Aufteilung, Risikostreuung und die Suche nach guten Renditen überläßt er dem Versicherer. Soll der doch Vermögensverwaltung von der Stange liefern.

Der Branche ist das recht. Denn mit solchen Kunden kann sie nach Belieben schalten und walten. Kaum einer will wissen, welcher Teil seiner Beiträge von der Versicherung als Kosten abgebucht wird. Keiner muckte auf, als die Mannheimer Versicherung, die wegen waghalsiger Aktienspekulationen vor dem Bankrott stand, durch die Auffanggesellschaft Protektor gerettet wurde. Reibungsverlust dabei: 170 Millionen Euro. Bezahlt wurden diese Kosten von allen Lebensversicherten. Denn die Anteile, die jede Gesellschaft an Protektor halten muß, sind deckungsstockfähig. Deckungsstock? - ein Ausdruck aus der Pferdezüchtersprache vielleicht. Sparanteil? Wohl eine Vorgabe beim Taschengeld. Überschußbeteiligung? Das ist doch die Haftungssumme von Sportschützen für Schäden hinter der Zielscheibe. Oder?

Eine Straßenumfrage zeigt, daß zwar Millionen eine Lebensversicherung haben, aber kaum einer über seine Police und damit verbundene Kosten Bescheid weiß. "Das Geschäft ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln", sagt der Herausgeber des Branchendiensts Map-Report, Manfred Poweleit.

Welche Leistungen bietet eine LV wann, und was kostet das? Das muß die Grundüberlegung bei jeder Police sein. Denn ein Lebensversicherungskunde spart nicht einfach nur Geld, um später die vom Vertreter genannten Ablaufleistungen zu bekommen. Er schließt auch eine Versicherung für den Todesfall ab. Und auch das kostet.

Wieviel von der Prämie in diese Todesfall-Leistung fließt, ist nicht über die ganze Laufzeit konstant, sondern wird Jahr für Jahr neu festgelegt. Da der Versicherte dabei immer älter wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, daß er in der Vertragslaufzeit stirbt. Folge: Der Schutz wird teurer. Besonders stark betroffen sind Männer zwischen 50 bis 65 Jahren. Während die unter 40jährigen knapp zwei Prozent des Beitrags für diesen Schutz einkalkulieren müssen, zahlen zehn Jahre ältere schon mehr als fünf Prozent. Mit 60 sind es 15 Prozent, mit 65 fast ein Fünftel der Prämie. Konstruktionsfehler: Der Hinterbliebenenschutz kostet am meisten, wenn man ihn zur Absicherung der Familie eigentlich nicht mehr braucht. Wer die Police nur zur Altersvorsorge einsetzen will oder älter als 45 Jahre ist, fährt daher besser, wenn er sein Kind oder die Ehefrau als versicherte Person einsetzt. Denn Frauen zahlen wegen ihrer längeren Lebenserwartung nur etwa halb soviel Risikoprämie im Alter, Kinder noch viel weniger. Zudem sollte man bei Policen mit Inflationsausgleich in den letzten Vertragsjahren die Dynamik kündigen. Grundprinzip dieser "Rentenversicherung für Vermittler": Auf den alten Vertrag wird jedes Jahr ein kleiner neuer draufgesattelt, für den der Policenverkäufer von einst Provision bekommt. Bei betagten Kunden fressen daher die Kosten den Nutzen fast ratzeputz auf.

Apropos Kosten: In den ersten Jahren zahlt man nur drauf. Was von den Prämien nach Abzug der Verwaltungs- und der Risikokosten übrig bleibt, verschlingen die Provisionen, die der Herr Kaiser und seine Kollegen einstecken. Denn auch die Vertriebskosten müssen die Versicherten zahlen. Die Provision wird zudem gleich in einem Rutsch am Anfang der Vertragslaufzeit abgezogen. Negative Folge: Im Sparanteil - so nennt man den Topf, in dem die Versicherung das Kundengeld sammelt, das sie investiert - kommt erst mit Jahren Verzögerung ein nennenswerter Betrag an. Ab welchem Zeitpunkt in dieses firmeninterne Sparschwein Geld gesteckt wird, hängt von der Laufzeit der Police ab.

Liegen nur zwölf Jahre zwischen Abschluß und Ablauf - die Mindestlaufzeit, um derzeit noch steuerfrei kassieren zu können -, sind es je nach Gesellschaft etwa 18 Monate. Bei Policen mit 20 Jahren Laufzeit und mehr können es auch über 24 Monate sein. Bezogen auf die gesamte Prämiensumme muß man mit Kosten von 6,2 Prozent kalkulieren - das ist ein guter Prozentpunkt mehr als der reguläre Ausgabe-Aufschlag bei Aktienfonds beträgt. Besonders knifflig: Nur auf den Sparanteil gibt es den Garantiezins von derzeit 2,75 Prozent und die alljährlich festgelegte Überschußbeteiligung, die seit Jahren sinkt. Brachte das angelegte Kundengeld früher insgesamt um die sechs Prozent, sind es heute im Schnitt 4,3 Prozent. Tendenz sinkend, denn nach der Aktienkrise belastet jetzt das Zinstief. Hintergrund: Die unwiderruflichen Ansprüche der Kunden sind durch Mittel im Deckungsstock gesichert, für den besonders strenge Anlageregeln gelten. Nach Milliardenverlusten durch schlechtes Management während der Börsenbaisse haben die Versicherungen auch viele ihrer 585 Milliarden Euro Kapital in Rentenpapiere gepackt. Doch da droht angesichts des Zinstiefs wieder "professionelle Langeweile". Wenn nicht gar die Gefahr, daß die Rendite aufgefressen wird - wie bei Pac Man. «

Allianz: Der Branchenriese holt sich Marktanteile zurück

Die Aktienkrise hat ein solches Dickschiff wie die Allianz nicht aus der Bahn geworfen. Obwohl auch der Marktführer Geld verbrannt hat. Mit mehr als 15,2 Prozent Marktanteil hat die Tochter des Allianz-Konzerns in einer Branche, die jährlich 63,4 Milliarden Euro Prämien einsteckt, fast wieder die gleiche Größe wie vor dem Börsenboom. Getrieben wird die starke Stellung im Neugeschäft (19,46 Prozent der Abschlüsse) durch drei Faktoren:

Die Verwaltungskosten liegen mit 2,13 Prozent ebenso deutlich unter dem Marktmittel von 4,5, wie die Abschlußkosten mit 3,8 Prozent gegenüber 6,2.

Ebenso wichtig ist, daß die Allianz ihre vorher nur mittelmäßige Position bei den Ablaufleistungen verbessert hat . Nach den Berechnungen des map-report hat sie sich dort von Platz 15 auf Platz 11 vorgearbeitet. Eine zwölfjährige Police bringt derzeit sechs Prozent mehr ein als branchenüblich. Das entscheidende Argument für den Marktführer aber ist, daß Größe und Ausstattung mit Sicherheitsmitteln zusammenpassen. Darunter versteht man das Eigenkapital und die freie Rückstellung für die Beitragsrückerstattung (RfB).

Denn nicht alles, was aus dem Ertrag an Kapitalanlagen den Kunden zuzuschreiben ist (gesetzlich vorgeschriebene Quote: mindestens 90 Prozent), ist diesen damit auch schon endgültig sicher. Die freie RfB ist ein solcher Puffer, ebenso das für den Schlußüberschuß bereitgestellte Kapital.

Und hier liegt bei anderen Gesellschaften noch einiges im Argen. "Überraschend ist der Umfang der noch nicht abgeschriebenen Lasten bei den Marktgiganten", kommentiert der Herausgeber des Branchendienstes Map-Report Manfred Poweleit. "Auf die fünf größten Lastenträger Hamburg-Mannheimer, Deutscher Herold, AXA, Volksfürsorge und Victoria entfallen allein 51 Prozent der Marktlasten."

EURO am Sonntag bereitet daher in den nächsten Ausgaben Kennzahlen der größten deutschen Lebensversicherer auf, wie sie normalerweise nur Versicherungsprofis mit der aktuellen Map-Report Grafikanalyse zur Verfügung stehen (www.map-report.com). «

AXA Leben: Nicht mal Mittelmaß

Mit einem Marktanteil von 3,14 Prozent ist die AXA einer der neun kleinen unter den zehn Größten der deutschen Lebensversicherer. Der aus der Fusion von Colonia, Nordstern und Albingia zusammengeschmiedete Konzern legte im Neugeschäft ebenfalls kräftig zu. Doch stichhaltige Argumente dafür lassen sich aus den Kennzahlen nicht ablesen. Mit 3,12 Prozent liegen die Verwaltungskosten zwar etwas unter dem Marktdurchschnitt, die Abschlußkosten aber deutlich darüber.

Viel gravierender ist jedoch, daß in den AXA-Büchern immer noch eine halbe Milliarde Euro an stillen Lasten lauert. So nennt man Wertverluste, die in den Büchern noch nicht berücksichtigt sind. Höhere Lasten schieben nur noch die Hamburg-Mannheimer (535 Millionen) und der Deutsche Herold (512 Millionen) vor sich her. Solche Lasten mit Blick auf die AXA-Mutter in Paris auf die Seite zu schieben, ist blauäugig. Denn die Mutter wird nicht unbegrenzt für die Tochter einstehen. Hat sie doch bereits ein Darlehen über 250 Millionen Euro gewährt.

Zum unglaublichen Marketing-Erfolg der Kölner gehört auch, daß das gute Neugeschäft trotz magerer Zahlen beim Anlageergebnis erreicht wurde. Mit 3,88 Prozent Netto-Rendite liegt die AXA klar unter dem Marktdurchschnitt von 4,3 Prozent. Zudem sind alle erreichten Ablaufleistungen deutlich unter dem Mittel der Leistungen der Wettbewerber. Frühere Kunden der AXA bekamen nach 30 Jahren Laufzeit sechs Prozent weniger Geld, Versicherte, die 1983 dazugekommen sind, acht Prozent weniger. Und die vor zwölf Jahren geworbenen Kunden 27 Prozent weniger als im Durchschnitt.

red / -red-
 

 

 

 

 

 

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