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Auf der Suche nach konstruktiver Kunden-Kritik

Rund 250 Geschäfte, Lokale und Dienstleister in Wiesbaden und dem Umland zeigen mittlerweile Flagge


Freundlichkeit - auch damit werben Cemil Bayram (links) und seine Mitarbeiterinnen von Bäckerei und Café Sonnenschein an der Ecke Kaiser-Friedrich-Ring / Luxemburgstraße.
RMB/Windolf


Trainer Hartmut Roth vom Sportpark VitaFit in Walluf.
RMB/Margielsky

Vom 15.09.2004
 
WIESBADEN (hol/deg) Sie haben die roten Plakate ins Schaufenster gehängt, Aufkleber an Tür oder Theke befestigt und tragen die Buttons mit dem Logo "Gut bedient?". Der Kurier hat gestern Stichproben gemacht bei einigen der Partner, die sich unserer Service-Aktion angeschlossen haben.

Im Teeladen Gschwendner am Michelsberg zum Beispiel. Zusätzlich zum Kurier-Button tragen die Verkäuferinnen ein Namensschild, damit die Kundschaft sofort weiß, mit wem sie es zu tun hat auf der Suche nach grünem, schwarzen, Früchte- oder Rooibush-Tee. "80 Prozent der Leute, die hier kaufen, sind Stammkunden", berichtet Verkäuferin Gabriele Werle-Schmid. Eine Selbstverständlichkeit sei es für sie und ihre Kolleginnen schon immer gewesen, "dass wir nicht mit einem miesepetrigen Gesicht da stehen". Und jetzt, während der "Gut-bedient?"-Aktion gibt´s noch extra Angebote. Spezielle Tee-Pröbchen auf den Geschmack der Kunden abgestimmt. "Wer zum Beispiel drei Packungen grünen Tee kauft, den fragen wir nach dem Bezahlen, ob er sich noch eine kleine Probe grünen Tees aussuchen möchte", erzählt Werle-Schmid.

Auch bei Süßwaren Hussel in der Kirchgasse prangt das Plakat an der Eingangstür, Christa Schön und ihre Kolleginnen tragen die Buttons. "Für uns war von Anfang an klar, da machen wir mit", so die Süßigkeiten-Fachfrau, die selbst als Kundin "Freundlichkeit" als wichtigste Service-Qualität erachtet. "Wir sammeln übrigens alle Artikel der Kurier-Serie."

Ein paar Meter weiter, in der Metzgerei Heiter und Emmerich sind Filialleiterin Christine Grebeldinger und ihre Kolleginnen hinter der Wursttheke ebenso mit den Buttons ausgestattet. "Wir reden mit unseren Kunden über die Aktion. Und die waren auch schon in Geschäften, wo die Mitarbeiter zwar den Gut-bedient-Button an der Brust tragen, aber trotzdem unfreundlich sind. Da wundert man sich schon", schmunzelt Grebeldinger. Im Spielwarenhaus am Markt hat Verkäufer Andreas Reuter zwar noch keine besonderen Kunden-Reaktionen auf die Gut-bedient-Ausstattung des Geschäfts erlebt, "aber wir waren sofort dabei. Zusammen mit der Zeitung kann man doch mehr bewegen, als allein." Was für ihn guten Service ausmacht? "Kompetente Beratung und Freundlichkeit. Es ist schlimm, wenn man vor einem Fachverkäufer steht, der von seinem eigenen Metier keine Ahnung hat."

"Die Resonanz unserer Kunden ist einhellig - und positiv", berichtet Joachim Hammer von Softbalance in der Bärenstraße. Selbst von den Innenseiten der Spinde lächelt vom Plakat die nette Aktions-Dame den Softbalance-Kunden entgegen. "Schön, dass auch ihr mitmacht. Eigentlich habt ihr es aber nicht nötig, Euer Service war schon immer gut", diesen Satz hört Hammer oft. Das Lob freut Hammer, aber nichts sei so gut, dass es nicht noch verbessert werden könne. "Man ist nie perfekt." Sie sollten offen und ehrlich ihre Meinung sagen, ermuntert er die Kunden. "Das hilft uns weiter."

Konstruktive Kritik, das wünscht sich auch Kerstin Ernst vom Sportpark VitaFit in Walluf. Für die Kunden nicht zu übersehen - die Sportpark-Mannschaft ist mit von der Partie. "Wir wollen wissen, wie unsere Angebote und unsere Arbeit ankommen." Das sei die Voraussetzung, um den Kunden noch besser gerecht zu werden, sagt Ernst. Die Sportpark-Truppe frotzelt, wenn es bei Kleinigkeiten mal nicht so passt: "Wenn das ja mal nicht der Kurier erfährt. . ."

Vorbildlich präsentieren sich auch die Verkäuferinnen der Bäckerei Klein. "Eine gute Aktion", findet eine Mitarbeiterin aus dem Geschäft in der Klarenthaler Straße. Wenn da nur nicht die Nadel wäre! Ein übles Ding! Die Damen wissen überaus Kritisches anzumerken. Viel zu dick sei die Nadel, die den Button an die Bluse zwingt. So dick, dass es viel zu große Einstichlöcher gibt. Typisch Mann, diese Feinheiten bei der Planung der Aktion nicht bedacht zu haben.

 

 

 

 

 

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